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Samstag, 13. Mai 2017

Kunst, die aufregt - Politikum und Marketing

Als in diesem Frühjahr die Busse von Aleppo in Dresden vor der Frauenkirche nachempfunden wurden, war die Aufregung groß. Breit wurde über Sinn und Unsinn dieser Kunstaktion in den Medien diskutiert. Dabei ging leider ein weiteres, viel stilleres Projekt, fast unter. Auf dem Theaterplatz wurden zeitgleich Gräber inszeniert, - genau genommen Flüchtlingsgräber. Die Fotografien wurden in Lampedusa aufgenommen und zeigt still die letzte Station, der die mit Hoffnung losgezogen waren.



Detail: die Fotografien von Flüchtlingsgräbern wurden auf dem Theaterplatz in Dresden rund um  die Statue des Königs Johann ausgelegt.




Ging in den Medien rum: hochgestellte Busse vor der Frauenkirche. Viele Dresdner sahen darin eine Provokation.  Ob es Teil einer Marketingkampagne war? Geschadet hat die Aufregung dem Kunstwerk nicht. Nichts wäre schlimmer gewesen, als wenn es unbeachtet geblieben wäre.

Im Tod vereint: In Lampedusa teilen sich heimische Bürger den Friedhof  mit Flüchtlingen. Oft sind die Namen nicht bekannt. 



Inszenierung mit Grablichtern: Auf dem Theaterplatz in Dresden haben Besucher ihre Anteilnahme mit dem Stellen von Grablichtern ausgedrückt. 



Im Angesicht von Martin Luther: Auf dem Neumarkt in Dresden hätte der Gegensatz nicht krasser sein können.  Luther, der vor der Frauenkirche, dem Symbol des überwundenen Krieges, aufgestellt wurde, blickt auf die hoch aufgestellten Busse, die stellvertretend an das Kriegsleid der Syrer in Aleppo erinnern.

Mittwoch, 12. September 2012

White Bouncy Castle - Destabile Verhältnisse

Eurphorisches Hüpfen mit Beigeschmack in Hellerau
Ein weißes Schloss; innen eine Bahn von fast vierzig Metern - das Kunstzentrum Hellerau hat seine Besucher eingeladen, Teil der Installation "White Bouncy Castle" zu sein. Hoch umschließt die Burg ihr Hüpfgelände, das Weiß strahlt eine surreale Kälte aus, der grollende Hintergrundsound erinnert eher an Horrorszenen als an spaßige Kindermusik. Die Besucher stürzen sich freudig ins hüpfende Getümmel. Erwachsene freuen sich, zusammen mit ihren Kindern den Hüpfspaß zu erleben. Sie tanzen, sie jauchzen, springen gegen Wände und laufen hüpfend die Bahn auf und ab.

Doch - in an der Wand sitzt ein dreijähriges Kind, dem die Atmosphäre Angst macht: das kalte Weiß, die drohende Soundkulisse, die hüpfverrückten Leute - all das verleiht der Burg eher den Charme einer zu groß geratenen Gummizelle.  Vergnügen und Wahnsinn gehen Hand in Hand. 

Vielleicht war das Kind der einzig aufmerksame Kunstrezipient an diesem Ort.

  
"White Bouncy Castle" ist ein Gemeinschaftsprojekt von Dana Caspersen, William Forsythe und Joel Ryan

Donnerstag, 23. August 2012

Effekthascherei auf höchsten Niveau, doch ohne Anspruch


3D-Projektion zum dresnder Stadtfest 2012 am Zwinger

Seit einiger Zeit gibt es ein neues Phänomen: Da wird was an eine Fassade projeziert; ach - und das sieht spektakulär aus! Einfach toll! Unglaublich!

Und wenn die bunten Bilder über die Hauswand flackern, dann ist das gleich ein Großereignis; muss ja, wer soll das denn sonst bezahlen? Es muss ja irgendwie bezahlt werden, sonst braucht man das ganze ja nicht machen.

Das treibt dann so irre Blüten, dass dafür private Sponsoren einspringen bzw. sich bereitwillig erklären, zu öffentlichen Projekten beizutragen. Wie neulich beim Dresdner Stadtfest, als niemand Geringeres als Intel den geheimen Höhepunkt des Stadtfestes boten: eine ca. 40 min Effektberieslung auf dem dresdner Zwinger.


Dorf und Stadt, Alot und Jung waren auf dem Theaterplatz zusammen gekommen, um dieser Spektakulären Werbeveranstaltung beizuwohnen.

Wer's verpasst hat, der kann sich die Show hier ansehen:
3D Projektion am Zwinger zum dresdner Stadtfest 2012

Schön und gut. Unterhaltung ist schließlich auch eine Kultur. Es muss ja nicht alles unbedingt Hochkultur sein; - wer wöllte das? Und doch, - trotz aller perfekt abgestimmten Effekte, irgendwann ist es - ermüdend. Ohne roten Faden, ohne Story, ohne dem gewissen Etwas, was uns doch was sagen soll, verhungert der Geist im bunten Lichternebel. Was fehlt ist der Anspruch an das Publikum, die Zumutung, es zum Mitdenken herauszufordern. Und schließlich das unterscheidet Kultur vom gebieterischen Kommerz.