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Samstag, 13. Mai 2017

Kunst, die aufregt - Politikum und Marketing

Als in diesem Frühjahr die Busse von Aleppo in Dresden vor der Frauenkirche nachempfunden wurden, war die Aufregung groß. Breit wurde über Sinn und Unsinn dieser Kunstaktion in den Medien diskutiert. Dabei ging leider ein weiteres, viel stilleres Projekt, fast unter. Auf dem Theaterplatz wurden zeitgleich Gräber inszeniert, - genau genommen Flüchtlingsgräber. Die Fotografien wurden in Lampedusa aufgenommen und zeigt still die letzte Station, der die mit Hoffnung losgezogen waren.



Detail: die Fotografien von Flüchtlingsgräbern wurden auf dem Theaterplatz in Dresden rund um  die Statue des Königs Johann ausgelegt.




Ging in den Medien rum: hochgestellte Busse vor der Frauenkirche. Viele Dresdner sahen darin eine Provokation.  Ob es Teil einer Marketingkampagne war? Geschadet hat die Aufregung dem Kunstwerk nicht. Nichts wäre schlimmer gewesen, als wenn es unbeachtet geblieben wäre.

Im Tod vereint: In Lampedusa teilen sich heimische Bürger den Friedhof  mit Flüchtlingen. Oft sind die Namen nicht bekannt. 



Inszenierung mit Grablichtern: Auf dem Theaterplatz in Dresden haben Besucher ihre Anteilnahme mit dem Stellen von Grablichtern ausgedrückt. 



Im Angesicht von Martin Luther: Auf dem Neumarkt in Dresden hätte der Gegensatz nicht krasser sein können.  Luther, der vor der Frauenkirche, dem Symbol des überwundenen Krieges, aufgestellt wurde, blickt auf die hoch aufgestellten Busse, die stellvertretend an das Kriegsleid der Syrer in Aleppo erinnern.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Weihnachtliche Emotionen ganz ohne Jesus

6000 funkelnde  Lichter sind dieses Jahr zusätzlich verbaut!




Gleich am Einlass von 1000 Funkel begrüßen Sonne und Mond die Besucher.
Können Kommerz und Kultur einvernehmlich einhergehen? Sie können. Was gerade in Dresden unter dem Namen 1000 Funkel als Erlebniswelt Weihnachten gerade stattfindet, beweist es. Doch was genau ist 1000 Funkel überhaupt? Jahrmarkt? Show-Spektakel? Gastronomie? Eine Art Weihnachts-Disneyworld? Nun, irgendwie ist es genau das Alles in Einem. Den kommerziellen Erfolg dieses Modells sollte man aus kultureller Sicht nicht verdammen. Denn: Unter der schönen Oberfläche aus funkelnden Sternen, surrenden Modelleisenbahnen und belebten Märchenfiguren steckt die kindliche Verzückung zu Weihnachten - quasi das Kernmotiv des Events. Die Zeltstadt 1000 Funkel weckt selbst im größten Festtagsmuffel weihnachtliche Emotionen.  Weihnachtskultur ist eben nicht nur die christliche Geschichte um die Geburt Jesu; zur Weihnachtskultur gehören auch Märchen, Glühwein, Bastelleien, Naschen usw. - kurzum alles was in uns das Weihnachtsgefühl auslöst.
Das gelingt den Veranstaltern mittels unzähliger aufwendiger Details. Im letzten Jahr gabs Kritik, die 2012 man beherzigt und konstruktiv umgesetzt hat: So wurden im Vergleich zum letzen Jahr mehr funkelnde Lichter in Szene gesetzt, die Auswahl der Händler sehr stark auf Weihnachten ausgerichtet und für ältere Besucher überall Sitzgelegenheiten für Pausen eingerichtet.

Das Haus des Pilzputzers.


Auf der Bühne der Bühne der 1000 Träume verzaubern Künstler und Gaukler die Zuschauer, wie in diesem akrobatischen Tanz mit Feuerelementen und Leidenschaft.


Das hohe Niveau hat seinen Preis: täglich arbeitet eine Maschinierie aus 300 Mitarbeitern an der Umsetzung der Weihnachtsverzückung von 1000 Funkel. Dessen sollten sich Kritiker des Eintrittspreises bewusst sein. 



Aus dem ganzen Gelände verteilt sind fantasievolle Märchenfiguren. Diese wurden eigens für 1000 Funkel angefertigt.






Mittwoch, 12. September 2012

White Bouncy Castle - Destabile Verhältnisse

Eurphorisches Hüpfen mit Beigeschmack in Hellerau
Ein weißes Schloss; innen eine Bahn von fast vierzig Metern - das Kunstzentrum Hellerau hat seine Besucher eingeladen, Teil der Installation "White Bouncy Castle" zu sein. Hoch umschließt die Burg ihr Hüpfgelände, das Weiß strahlt eine surreale Kälte aus, der grollende Hintergrundsound erinnert eher an Horrorszenen als an spaßige Kindermusik. Die Besucher stürzen sich freudig ins hüpfende Getümmel. Erwachsene freuen sich, zusammen mit ihren Kindern den Hüpfspaß zu erleben. Sie tanzen, sie jauchzen, springen gegen Wände und laufen hüpfend die Bahn auf und ab.

Doch - in an der Wand sitzt ein dreijähriges Kind, dem die Atmosphäre Angst macht: das kalte Weiß, die drohende Soundkulisse, die hüpfverrückten Leute - all das verleiht der Burg eher den Charme einer zu groß geratenen Gummizelle.  Vergnügen und Wahnsinn gehen Hand in Hand. 

Vielleicht war das Kind der einzig aufmerksame Kunstrezipient an diesem Ort.

  
"White Bouncy Castle" ist ein Gemeinschaftsprojekt von Dana Caspersen, William Forsythe und Joel Ryan